Mittwoch, 26. Februar 2014

Reisebericht Mexiko

Reisebericht Mexiko
Reisebericht und Eindrücke einer Reise von Mexiko-Stadt
ins südliche Mexiko

Mexiko voller Überraschungen

Das einzige was wir im Voraus gebucht hatten, war ein Hotelzimmer für die ersten paar Nächte in Mexiko-Stadt. Wir waren vom langen Flug ziemlich angeschlagen und überfordert mit dem vielen Verkehr. Am nächsten Tag wollten wir einfach nur raus aus der versmogten, wenn auch sicherlich interessanten Metropole.

Auf zum Popocatépetl


Mein Freund wollte unbedingt zum Popocatépetl, obwohl der Vulkan seit Jahren nicht bestiegen werden kann. Keine Ahnung wie wir es ohne Reiseführer und ohne Sprachkenntnisse geschafft haben aus der Mexiko-Stadt raus zu kommen. Zum Glück half uns der Rezeptionist von unserem "minus 2 Sterne Hotel."

In der Nähe von einem Pueblito, einem niedlichen Dorf, schlugen wir unser Zelt auf. Doch was ist das? Wir sind in Mexiko und hatten Sonne pur und angenehme warme Temperaturen erwartet. Wir hatten keine Ahnung, dass die Gegend in den so genannten Kalttropen liegt und im Dezember und Januar zwar tagsüber 25 Grad haben kann, aber genauso auch frostige Nächte.

Wir zogen uns nach dem Zwiebelprinzip alle Klamotten an, die wir in unserem 12-14 kg Rucksack hatten und waren höchst erfreut, ganz in der Nähe eine günstige Möglichkeit zum Frühstücken gefunden zu haben. Ein paar wenige Stände aus dunklem, modrigem und brüchig aussehendem Holz. Blond und blauäugig unter all den dunkelhaarigen und dunkeläugigen Mexikanern, kam ich mir wie eine Aussätzige vor und mit meinen 1,65 m wie ein Riese. Zum ersten Mal in meinem Leben kam es mir in den Sinn, wie sich zum Beispiel unsere dunkelhäutigen Einwohner unter all uns Hellhäutigen fühlen mussten!


Gourmetfreuden


An einem offenen Garfeuer machte ein typischer Mexikaner mit einem schwarzen Zwirbelbart die lokalen Tortillas! Dazu Eier und Schinken, so wie die Einheimischen auch essen.

Dafür große Freude, als der freundliche Zwirbelbart-Mexikaner mir eine Kelle dampfende Pampe aus dem großen verbeulten Kochtopf auf seinem Feuerchen entgegenreichte. "Arroz con leche", sagte er mir immer wieder. Mmhh, das schmeckt nach flüssigem Milchreis (ohne Zimt und Zucker).


Maya-Tempel in Mexiko
Maya-Tempel auf der Halbinsel Yucatan


Reise durch Mexiko nach Guatemala


Auf unserem Weg wechselten die mexikanischen Transportmittel von großen modernen Überlandbussen, zu kleinen altertümlichen Bussen und auch ausrangierten gelben Schulbussen aus den USA. Tagsüber wurde es warm in den Bussen, die Leute tranken Softdrinks und Wasser aus Plastikflaschen, um diese dann gleich aus dem Fenster zu entsorgen. Na, jetzt wunderte mich nichts mehr, dass überall Müll an den Straßen rumlag. Aber noch viel mehr war ich über die riesigen abgeholzten, kahlgeschlagenen, unendlich erscheinenden Flächen schockiert. Was machen "die bösen Mexikaner" hier? Später lernte ich, dass die Ursachen nicht "die bösen Mexikaner" sind, dass es sehr einfach ist, den Finger auf andere zu zeigen, sondern wir alle daran beteiligt sind (vor allem die Industriestaaten) und wir alle dazu beitragen können, etwas dagegen zu tun. WWF und Greenpeace sind nur zwei der wenigen Organisationen, die sich für den Erhalt der tropischen Wälder einsetzen und für Aufklärung sorgen.

Später, als wir an der Küste entlang fuhren, war ich begeistert von dem glasklaren Blau des Wassers, wie im Schlaraffenland und überwältigt von den zahlreichen Steintreppen, die hoch zu den Maya Tempel führten, mitten im sattgrünen Dschungel, umgeben von Affen- und Grillengeräuschen. Cola trinke ich nie zu Hause, doch es war unser bester Freund in Mexiko und wir waren fest davon überzeugt, dass es uns von der ein oder anderen Darminfektion verschont hielt und bei der schwülen Wärme lechzten wir auch nach Energie und Zucker. Sehr traurig machte mich, als uns 5 bis 7-jährige kleine Mädchen mit ihren großen, braunen, treuseeligen Augen immer wieder hinterherliefen und wollten, dass wir ein Foto von ihnen machten, damit wir ihnen Geld dafür geben. Das sind Kinder und ich hatte dieses mulmige Gefühl im Magen, dass sie "anschaffen" gingen. Zwischendurch war die Last durch den Müll, die Kahlflächen und die bettelnden Kinder so groß auf meinen Schultern, dass ich am liebsten auf der Stelle zurück nach Hause geflogen wäre. Ich tat es nicht, ich hielt durch. Auf unserer 5-monatigen Reise durch Mexiko und Lateinamerika begegneten wir immer wieder diesen Begebenheiten.Auf der Halbinsel Yucatan genossen wir auch eine Rundtour mit dem Fahrrad. Was gibt es schöneres als mit dem Rad gemütlich der karibischen Küste entlang zu pedalen!


Sandstrand von Tulum
Karibischer Strand bei Tulum


Eindrücke von Mexiko


Die öffentlichen Verkehrsmittel waren gut, um die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung etwas besser zu verstehen. Aber später lernte ich, dass wenn man zu Fuß unterwegs ist oder aktiv auf einer Radreise Mexiko erlebt, einem viel intensivere Erinnerungen bleiben. Man reist mit all seinen Sinnen und es gibt einem die Möglichkeit zu verweilen anstatt dran vorbei zu fahren.

Mexiko ist ein traumhaft schönes Land mit warmen und herzlichen Menschen, so wie man es in den Reiseprospekten vermittelt bekommt, aber das Reisen hat mich gelehrt, dass es überall auf dieser Erde auch seine Schattenseiten gibt, vor denen man nicht die Augen verschließen sollte, sondern lernen und verstehen sollte, um ein klein wenig zu verändern. Reisen verbindet unterschiedliche Kulturen und bringt sie uns näher und somit auch ein klein wenig dem Weltfrieden.

Reisebericht-Autorin: Sonja Wolfgramm, Frühjahr 2014
  

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